Auf der Strasse ausgesetzt

Suppenbus

Etwa 500'000 Menschen ringen zurzeit auf den Strassen Bulgariens ums Überleben. Menschen wie Irina Vassileva - ausgebildete Krankenschwester und Mutter zweier Söhne. Wo das Sozialsystem versagt, fallen sie durch alle Maschen. Es bleibt ihnen nichts anderes, als zu hoffen und zu beten, dass sie die nächste Nacht auf der Strasse überleben.

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«Ich glaube, ich stinke. Aber es gibt keinen Ort, wo ich mich duschen oder meine Kleider waschen kann. Im Sommer wasche ich am Brunnen im Stadtzentrum, aber im Winter würden meine Finger abfrieren und die Kleider trocknen in der Kälte nie», erzählt Irina. «Im Sommer ist es einfacher zu überleben, aber im Winter ist es hart. Ich sammle und trenne Abfall, um mit dem Erlös Brot zu kaufen. Meistens muss ich den ganzen Tag Mülltonnen durchwühlen, um einen einzigen Laib kaufen zu können. Am Anfang habe ich mich geschämt, aber der Hunger hat mich angetrieben. Jeden Abend sind meine Füsse nass vom Schnee und durchgefroren.»

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Irina ist 59 Jahre alt, hat in Bulgariens Hauptstadt Sofia in grossen und angesehenen Spitälern gearbeitet und mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in der Stadt gewohnt. Bis ihr Mann eines Tages ihre Hausschlüssel wegnahm und sie nur noch reinliess, nachdem sie ihm ihr ganzes Geld gab. Irgendwann liess er sie überhaupt nicht mehr ins Haus und Irina verlor das Dach über ihrem Kopf und bald darauf die Arbeitsstelle. Irgendwann hat sie ihren Schlafplatz in einem verlassenen Keller am Rande Sofias gefunden. «Ich vermisse meine Söhne und weine oft deswegen. Diese Kleider neben mir habe ich alle aus Mülltonnen geholt. Sie geben mir im Winter das Gefühl, dass ich nicht erfriere.»

Arbeitslosengeld darf Irina nicht beantragen, da sie keinen Wohnsitz vorweisen kann. So ist sie auf sich allein gestellt, wie tausende Obdachlose in Bulgarien. Für diese Menschen setzen wir von Pro Adelphos uns mit dem Suppenbus ein. Täglich verteilen wir warme Mahlzeiten und im Winter warme Kleidung. Oft passiert es, dass Menschen hungernd und halbverfroren bei uns ankommen, da sie die Nacht bei -15˚ C draussen verbrachten und sie weder in der Notschlafstelle noch im Spital aufgenommen wurden. Dank unseren Kontakten zu lokalen Spitälern verhelfen wir ihnen zu lebensnotwendiger medizinischer Versorgung.

Anna Atanasova

Anna Atanasova kümmert sich seit Jahren als Koordinatorin um die Belange der Obdachlosen in Sofia.

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